Britische Kolonie

Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich in Ostafrika Großbritannien gegen Deutschland durchsetzen und so wurde der britische Kolonialismus auf Uganda ausgedehnt. Die neuen Herren nutzen das Land, um vor allem Baumwolle und Kaffee anzubauen. Sie zerstörten dadurch die traditionelle Landwirtschaft und verursachten so mehrere Hungernöte. Bald entwickelten sich Kampala und Entebbe zum wirtschaftlichen und politischen Zentrum der Kolonie, wohingegen der Norden zunehmend vernachlässigt wurde. Dies führte zu wachsenden Spannungen zwischen den verschiedenen Völkern. Doch die Wirtschaft wuchs beständig weiter, selbst durch die zwei Weltkriege. Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg führt in Uganda dazu, dass immer mehr Europäer und Asiaten ins Land kamen, was vorher weniger der Fall war, da London diese Kolonie nie als Siedlungskolonie konzipiert hatte. In den 50er Jahren etablierte sich das Teilkönigreich Buganda, in dem auch Kampala und Entebbe lagen, als Staat im Staate. Dessen König Edward Mutesa II. wollte Buganda sogar von der restlichen Kolonie abtrenne und unabhängig machen. Als während des Afrikanischen Jahres 1960 viele Kolonien des Kontinents unabhängig wurden, führte dies auch in Uganda zu Unabhängigkeitsbestrebungen und im Osten des Landes brach ein Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft aus.

Unabhängigkeit unter Edward Mutesa und Milton Obote

Endliche wurde Uganda als Republik 1962 unabhängig und König Edward Mutese II. wurde Präsident. Sein Ministerpräsident wurde Milton Obote, unter dem wiederum Idi Amin im Militär schnell Karriere machte. Amin wurde 1964 stellvertretender Oberbefehlshaber der ugandischen Streitkräfte. Um seine Stellung abzusichern, rekrutierte Amin zunehmend Angehörige seines Stammes und Muslime aus dem Norden. Obote und Amin waren gemeinsam am ertragreichen Geschäft des Goldschmuggels beteiligt. Als dies bekannt wurde, forderte das Parlament eine Untersuchung des Vorfalls und die Absetzung Amins als stellvertretenden Oberbefehlshabers. Um dem zuvorzukommen, setzte Obote kurzerhand die Verfassung außer Kraft und ließ einige Kabinettsmitglieder verhaften. Die wachsenden Spannungen zwischen Obote und Mutesa führten schließlich 1966 zum Putsch Obotes, der sich zugleich zum Präsidenten erklärte. Mutesa ging ins Exil nach London, wo er 1969 unter teils ungeklärten Umständen an einer Alkoholvergiftung starb.

Milton Obote führte 1967 eine neue Verfassung ein, beseitigte die Königreiche und ersetzte sie durch Distrikte. Er machte aus Uganda einen sozialistisch geprägten Staat, der sich auf den so genannten Afrikanischen Sozialismus stützte. Er führte eine antikoloniale Politik, verstaatlichte große ausländische Unternehmen, schaffte den Feudalismus ab und näherte sich außenpolitisch an Kenia und Tansania an. Trotzdem blieb Uganda international noch bis um 1970 von den Blöcken umworben. Besonders Großbritannien, die USA und Israel arbeiteten in Uganda eng zusammen: Washington gab Entwicklungshilfe, London strebte die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung an und Israel bildete bereits vor der Unabhängigkeit 1962 die ugandische Armee aus.

Vor allem Israel bemühte sich um Uganda, denn für Tel Aviv galt das Land als Mittelpunkt Afrikas, aber wichtiger noch als Bollwerk gegen den arabischen Einfluss in der Organisation für Afrikanische Einheit OAU. Aus diesem Grund leistete auch Israel Entwicklungshilfe, was allerdings nicht ohne Hintergedanken geschah. Dieser Gedanke lag im nördlichen Nachbarland Ugandas, dem Sudan, heute Südsudan. Aufgrund innenpolitischer Schwierigkeiten zwischen dem sunnitischen Norden und dem christlichen Süden, kam es dort bereits in den 50er Jahren zu Unruhen im Süden, die sich bis in die 70er erstreckten. Für Israel war dieser Aufstand wichtig, fand er doch an der Südwestflanke der Araber statt. Die rebellischen Stämme im Süden vereinigten sich zur Anya-Nya-Gruppe und wurden von Israel unterstützt. Für Tel Aviv war es jedoch nicht wichtig, dass die Rebellen siegen, sondern immer weiter kämpfen, wobei der sichere Garant dafür, dass die Kämpfe weitergehen, niemand geringerer war als Idi Amin.

Der Putsch des Idi Amin

Doch die westlichen Interessen waren zunehmend in Gefahr, denn Präsident Milton Obote begann 1969 sein Nationalisierungsprogramm und enteignete zunächst 80 britische Unternehmen. Außerdem wollte sich Obote aus dem Konflikt im Süd-Sudan zurückziehen, währenddessen Amin weiterhin Waffen an die Anya-Nya lieferte. Aus diesem Grund gründete Obote eine Sicherheitspolizei, die über das Militär wachte und von seinem Cousin geleitet wurde, was wiederum die israelischen Interessen in der Region gefährdete. Somit verschlechterten sich von 1969 bis 1971 die Beziehungen zum Westen, der seinerseits plante, das rohstoffreiche Land bald wieder kontrollieren zu können. Die Wahl eines geeigneten Nachfolgers fiel mit Idi Amin nicht schwer, denn er diente während der Kolonialzeit schon in der britischen Armee und war Großbritannien gegenüber loyal. Auch leitete er in Uganda bereits eine politische Polizei.

Natürlich konnte Amin nicht im Alleingang die Regierung Obote stürzen; er brauchte verbündete Kämpfer. Die fand er im Süd-Sudan bei den Anya-Nya-Rebellen, denen sich auch Amins eigener Stamm angeschlossen hatte. 1970 reiste Amin mindestens zwei Mal ins Aufstandsgebiet und war ständig mit den Rebellen in Kontakt. Dort traf er seinen Freund, einen Oberst der israelischen Armee. Diesem vertraute Amin an, dass er befürchte, festgenommen zu werden, bevor Kampala in seiner Hand wäre. Doch der Oberst sichte Amin Truppen seines Stammes, Jeeps, Panzer und Fallschirmjäger zu. Bei den Rebellen diente auch dein deutscher Söldner, Rolf Steiner, der mit seinen britischen Kameraden ständig Funkverbindung zum Apollo-Hotel nach Kampala hatte. Auch ein CIA-Agent bestätigte später, dass Israel weiterhin die Anya-Nya unterstützte, während Großbritannien den Sturz Obotes plante. Der Westen begann also, seinen Plan umzusetzen, es fehlte nur noch die passende Gelegenheit.

Nur wenige Wochen vor dem Putsch kamen 700 britische Soldaten in Kenia an, um Waffenverkäufe an das Apartheidregime in Südafrika zu sichern. Ende Januar 1971 fand in Singapur eine Commonwealth-Konferenz statt. Obote wollte erst gar nicht zur Konferenz reisen, da er die Lage in seinem Land als zu unsicher erachtete. Doch sein Freund, der tansanische Präsident Julius Nyerere ermutigte ihn dazu, um dort gegen den britischen Waffenverkauf an Südafrika zu protestieren. Obote ging nach Singapur. Dort drohten der sambische Präsident Kenneth Kaunda, Julius Nyerere und schließlich Milton Obote mit dem Austritt aus dem Commonwealth, sollte die britische Regierung den Waffenverkauf nach Südafrika absegnen. Der britische Premierminister konterte jedoch mit dem Satz: Ich frage mich, wie viele von Ihnen von der Konferenz in ihre eigenen Länder zurückkehren dürfen.

Damit fiel praktisch der Startschuss für Idi Amin. Am 25. Januar 1971 übernahm er mit seinen Truppen die Macht in Kampala und kam somit seiner eigenen Verhaftung zuvor. Viele seiner Aufständischen schlossen sich kurz darauf der ugandischen Armee an und führten später, ausgebildet von der CIA in den USA, auch die Säuberungen durch. Die USA schickten nach dem Putsch mehrere Polizeiausbilder nach Uganda. Bald verschwanden Richter, Offiziere und Intellektuelle, es wurden Dörfer, die Obote unterstützten, angezündet und deren Einwohner ermordet. Und dennoch erkannte London das Amin-Regime nach nur einer Woche an, was selbst für Washington zu schnell ging. Aber Großbritannien begrüßte den Putsch, denn Amin unterstützte die Waffenverkäufe nach Südafrika, privatisierte wieder einige britische Unternehmen und war gleichzeitig ein Bollwerk gegen den Sozialismus Obotes. Er wurde in der britischen Presse als Held gefeiert und reiste im Juli 1971 selbst nach Großbritannien. Dort aß er mit der Queen und traf sich mit dem Kabinett. Dafür bekam er 10 Mio. Pfund Wirtschaftshilfe, Ausbilder für die ugandische Armee und militärische Ausrüstung, aber keine hoch entwickelte Technik oder Fahrzeuge.

Kurswechsel

Anfangs unterstützte Israel seinen Verbündeten noch mit Waffen, allerdings nicht mehr lange. Noch im selben Jahr verweigerte Tel Aviv, mit Verweis, dass diese über die ugandische Selbstverteidigung hinausgingen, einen Kredit über 60 Mio. DM sowie Jagdbomber und Kampfboote. Außerdem ebbte der Konflikt im Süd-Sudan ab und 1972 wurde das Abkommen von Addis Abeba zwischen der sudanesischen Regierung und den Rebellen abgeschlossen. Damit war Amin für Israel nicht mehr wichtig, was zu einer kompletten Neuausrichtung seiner Politik führte. Er wandte sich von Israel ab und betrieb nun eine Politik des Antizionismus, Antikolonialismus, Imperialismus und Rassismus. Er konvertierte zum Islam, um sich die Unterstützung der reichen Ölstaaten zu sichern und er sah Israel als Kolonie an, die von imperialistischen Mächten gesteuert würde. Es wurde eine konsequente Afrikanisierungspolitik betrieben; Amin wies alle Israelis und Menschen indisch-pakistanischer Abstammung aus. Er war sogar bekennender Verehrer von Adolf Hitler: Hitler hatte Recht mit den Juden, denn die Israelis arbeiten nicht im Interesse des Volkes. Deshalb hat er die Israelis lebend mit Gas auf deutschem Boden verbrannt. Ein geplantes Adolf-Hitler-Denkmal am Victoriasee konnten sowjetische Diplomaten verhindern. Amin wollte Afrika und die arabische Welt befreien und Israel besiegen.

Im Kalten Krieg waren neue Freunde schnell gefunden: Die Sowjetunion und die arabischen Länder. Nachdem er Israel die Freundschaft gekündigt hatte, wandte sich Amin zuerst an den Libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi. Bald kamen seine Waffen aus Libyen, Saudi-Arabien, Katar und später auch aus der Sowjetunion. Palästinenser wachten als Leibgarde über sein Leben und flogen seine MiG’s; der Sold kam aus Libyen. Aber auch für diese Länder wurde Idi Amin zunehmend unsicher. Die Sowjetunion begann nun, ugandische Soldaten zunehmend im eigenen Land oder in der Tschechoslowakei auszubilden. Moskau strebte einen baldigen Sturz Amins an. Auch wenn es noch nicht eilte, sollte, wenn es so weit sein würde, ein im Ostblock ausgebildeter Soldat die Unzufriedenheit in Uganda nutzen und Idi Amin stürzen. Doch Uganda rückte auch für den Osten in den Hintergrund als Mosambik und Angola ins sozialistische Lager wechselten.

Milton Obote ging nach dem Putsch ins Exil nach Tansania, dessen Regierung unter Julius Nyerere das ugandische Regime nicht anerkannte. Obote baute in Tansania aus Exil-Ugandern eine Rebellentruppe auf, die im Süden Ugandas für Unruhe sorgte. Unterstützt wurde diese Truppe auch von Tansania selbst, das sich selbst als regionale Führungsmacht etablieren wollte. Doch die Invasion Ugandas durch Obote-Truppen scheiterte und am 7. Oktober 1972 wurde unter Vermittlung Somalias ein Friedensvertrag geschlossen. Doch Tansania weigerte sich weiterhin, die Amin-Herrschaft anzuerkennen. Idi Amin hatte aber auch seine Interessen Tansania betreffend: Er wollte über dieses Land einen Meerzugang erobern, weshalb er überall nach Waffen bat.

Unterdessen entwickelte sich die Zusammenarbeit zwischen Uganda und Großbritannien sehr gut. So ließ sich Amin 1975 von seinen britischen Geschäftsleuten auf einer Sänfte durch Kampala tragen, während er gleichzeitig vor der UNO die Auslöschung Israels verkündete. 2002 tauchten britische Regierungsdokumente auf, die diese enge Kooperation bewiesen. So landete mehrmals pro Woche ugandische Flugzeuge in London, die Amin praktisch über eine Luftbrücke versorgten, auch mit hoch entwickelten Überwachungsgeräten, das so genannte Standstet-Shuttle. Ein anderes Beispiel ist ein britischer Major, der als Spion in Nigeria tätig war und seine Dienste nun Amin anbot. Da dieser noch immer an seinem Meerzugangsplan festhielt, spionierte der Major nun in Tansania. Später wollte er seine Zusammenarbeit mit Amin in Großbritannien veröffentlichen. Doch die britische Regierung verbot dies, da sie das als Bedrohung der nationalen Sicherheit ansah.

Der Niedergang

1976 wurde zu einem ereignisreichen Jahr für Uganda, nicht nur weil sich Amin zum Präsidenten auf Lebenszeit ernannte. Am 27. Juni landete eine von palästinensischen und deutschen Terroristen entführte Air-France-Maschine in Entebbe. Idi Amin sah dies als Chance, um sich als Vermittler und Beschützer der Geiseln zu geben, jedoch unterstützte er die Terroristen mit Verpflegung, Medizin, Waffen und Munition. Er propagierte die ausbleibende Befreiung der Geiseln als Schuld Israels. Doch am 4. Juli begann die Operation Entebbe. Heimlich wurden israelische Elitesoldaten nach Entebbe eingeflogen, die die Geiseln befreiten. Die ganze Aktion dauerte nur 90 Minuten. Dabei kamen 20 ugandische Soldaten sowie ein israelischer Offizier ums Leben. Aus Rache für die Befreiung über Amins Kopf hinweg wurde die verletzte Geisel Dora Bloch im Krankenhaus von ugandischen Offiziellen ermordet. Nach der Operation Entebbe verschlechterten sich auch die Beziehungen zu Kenia, da das Land das Befreiungskommando logistisch unterstützte. Beide Länder verhängten gegeneinander Embargos, was vor allem in Uganda zu einer Wirtschaftskrise führte. Auch London brach offiziell die Beziehungen ab, doch die Unterstützung des Regimes, besonders durch das Standstet-Shuttle, wurde weiterhin gewährt. Dis hatte den Grund, dass Großbritannien unter Amin keine Sanktionen gegen Uganda verhängen würde, da das ein Präzedenzfall für Sanktionen gegen Südafrika wäre. Der wirkliche Bruch mit Kampala wurde erst am 10. April 1979 vollzogen, als Idi Amin keine 24 Stunden mehr an der Macht war.

Das Ende selbst leiteten die Amins Truppen selbst ein, indem sie am 9. Oktober 1978 in Tansania einfielen. Bis zum 25. Oktober besetzten sie den Kagera-Streifen, den sie am 1. November annektierten. Bereits am 8. November begann die tansanische Gegenoffensive, an der sich auch Obotes Uganda National Liberation Army UNLA beteiligte. Während am 9. Dezember der gesamte Kagera-Streifen befreit wurde, kündigte die tansanische Regierung an, den Kampf bis zum Sturz Amins fortzuführen. Die ugandische Grenze wurde am 21. Januar 1979 überschritten und auch mosambikanische Einheiten rückten in Uganda ein. Libysche Truppen, die Amin unterstützten, griffen ab dem 9. März in die Kämpfe bei Kampala und Entebbe ein, wurden jedoch bis zum 12. März besiegt. Die Kämpfe dauerten noch bis zur endgültigen Befreiung Kampalas am 11. April an. Die tansanischen Truppen ließen jedoch einen Weg zum Flughafen Entebbe frei, damit Amin und die Libyer ohne Gesichtsverlust das Land verlassen konnten. Der ugandische Ex-Herrscher ging ins Libysche Exil. Damit endete das Terrorregime von Idi Amin.