Königreich Libyen 1951-1969

Libyen besteht aus den historischen Regionen Tripolitanien, Fessan und Cyrenaika. Nach den Verheerungen von Kolonialismus und Weltkrieg wurde Libyen 1951 vom britischen Mandatsträger in die Unabhängigkeit entlassen. Dasa Land wurde ein Königreich unter Idris I. Idris entstammte einem Clan im Nordosten, in der Cyrenaika. Er war zugleich Anführer der Sanussi-Bruderschaft, einer konservativen und monarchistischen Sekte. Diese Region Libyens war schon immer sehr empfänglich für extreme muslimische Sekten, so verfolgte auch die Sanussi-Bewegung eine strenge Auslegung des Islam. So verwundert es nicht, dass auch der heutige libysche Dschihadismus in der Cyrenaika beheimatet ist. Doch mit der Unabhängigkeit konnte Libyen nicht den Kolonialismus an sich abschütteln. Es schloss zum Schutz vor dem einst italienischen Faschismus ein Militärabkommen mit den USA, das den Amerikanern die Nutzung libyscher Stützpunkte erlaubte. Da die libysche Bevölkerung sehr arm und wenig gebildet war, bestand die wirtschaftliche Oberschicht fast ausschließlich aus Vertretern der Regierungspartei und den 52.000 im Land verbliebenen Italienern. Dementsprechend war auch die Regierung so aufgebaut. Dagegen schürte die ausländerfeindliche Nationale Kongresspartei Unruhen. Zur Machtsicherung verbot König Idris alle Gewerkschaften und politischen Parteien und, mit Ausnahme seiner eigenen. Doch auch innerhalb seiner Familie kam es immer wieder zu Streitigkeiten, infolgedessen Idris die meisten Familienmitglieder von der Thronfolge ausschloss. Bald war klar, dass das Königreich nach dem Tod des Königs nicht lange bestehen bleiben wird. Doch zunächst begann das Land, sich auf dem internationalen Parkett zu bewegen. 1952 kam es zum Streit mit Frankreich über die Dauer der Stationierung der französischen Truppen im Fessan. Erst 1956 verließen die letzten französischen Soldaten Libyen. Aber Idris war auch zur Zusammenarbeit bereit. So trat er 1952 der Arabischen Liga bei und unterzeichnete ein Jahr später einen Freundschafts- und Beistandsvertrag sowie ein weiteres Militärabkommen mit den USA. Während der Suez-Krise 1956 nutzte die britische Luftwaffe auch libysche Stützpunkte als Operationsbasis gegen Ägypten unter Gamal Abdel Nasser. Diese pro-westliche Haltung von König Idris führte zu Unruhen im Land.

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