Der Glaube an die Zukunft oder: Nicht hoffen, sondern handeln!

Jeder dürfte den Glauben an die Zukunft kennen, den manche Menschen an den Tag legen. „Unseren Enkeln soll es mal besser gehen, als uns!“, hört man sicherlich von den Großeltern. „Die Zeit heilt alle Wunden!“, sagen andere. Wie das geschehen soll, was dafür getan werden müsste, das stellen sie nie klar. Sie glauben an die Zukunft, als genüge die Verstreichung von Zeit allein, um eine Situation grundlegend zu verändern, ohne eigenes Zutun. Georg Maurer klagte solches Denken scharf an: „Wer weicht denn in die Zukunft aus? Das sind Betrüger… nicht besser als die alten Jungfern, die in die Vergangenheit ausweichen. […] Nun hängt euch auf, damit ihr aufersteht in der besseren Zukunft – Da seid ihr wahrlich nicht besser als die Priester, die uns das Leben für ein Jenseits stehlen. Denn ihr habt die Zukunft ebensowenig wie die Priester das Jenseits.“1 Bloße Hoffnung auf die Zukunft, ohne sich als aktiven Gestalter zu sehen, ist eine metaphysische Betrachtungsweise. Man klammert sich selbst und andere als Akteure aus und setzt darauf, dass sich irgendwie etwas ändert. Wie, das wissen solche Personen nicht. Diese Menschen haben sich meist nie philosophische Gedanken gemacht um den Gang der Dinge, ihr eigenes Sein und Werden nie reflektiert. Sie setzen alles in die zeitliche Wahrnehmung, weil sie von den materiellen Prozessen, seien sie nun in der gesellschaftlichen Praxis oder in der Natur, nur abstrakte Kenntnisse besitzen, ohne die Zwischenverbindungen zu begreifen.

Was ist Zeit eigentlich? Zeit ist ein rein quantitativer Faktor. Prozesse benötigen Zeit, um in eine neue Qualität umzuschlagen. Das ginge nicht, würden alle Uhren stillstehen. Zeit allein, für sich genommen, bedeutet gar nichts, wenn kein Prozess abläuft. Zeit ist die Bewegung der Materie.

Gerhart Eisler stellten einst Jugendliche die Frage: „Wäre es besser erst in 50 oder 100 Jahren geboren zu sein?“ Ein Auszug aus seiner Antwort: „Ich kann tage- und wochenlang darüber diskutieren, ob es besser wäre, 50 oder 100 Jahre später geboren zu sein. Das ändert nichts an der Tatsache, daß das nicht der Fall wird. Es gibt viele Dinge, auf die man Einfluß hat, nur nicht auf eines: wann man geboren wird. An und für sich sind solche Diskussionen ziemlich nutzlos. Natürlich wird es in 50 oder 100 Jahren noch viel schöner auf der Erde sein als heute.“2 Auch wenn man dann 50 oder 100 Jahre später geboren wäre, so könnte man zu dieser Zeit ebenfalls die gleiche Frage stellen, ob es besser wäre, nochmal 50 oder 100 Jahre später geboren zu sein. Das kann man also immer anführen. Es ist Weltenflucht aus der konkreten Situation, in die man hineingeboren worden ist. Es ist eine idealistische Frage, die einen nur davon abhält, den Notwendigkeiten der Gegenwart entsprechend zu handeln. Das Problem der Frage ist, dass man auf sie keine zufriedenstellende Antwort geben kann, weil sie eine rein ideelle ist über ein „Was wäre wenn… ?“-Szenario, das gar nicht materiell eintreten kann. Das abgesehen davon, dass man dabei die notwendige Arbeit zur Schaffung einer zukünftigen Gesellschaftsordnung einfach auf andere abwälzt und sich selbst dabei ausklammert. Die Zukunft, nach der man sich sehnt, muss erst mal erbaut werden. Daran kann niemand arbeiten, außer die in der Gegenwart lebenden Menschen.

In Filmen und Serien geht es wenig darum, wie die Zukunft aktiv durch die Menschen geschaffen wird, als Szenarien, wo bloß passiv auf diese gewartet wird. Zum Beispiel in der Serie Futurama friert der Protagonist Fry an Silvester ein und erwacht 1000 Jahre später. Er landet dort in der Serie also ohne Zutun in der Zukunft. Diese Serie steht mit einer gewissen Zukunftseuphorie in Verbindung, die mit der Jahrtausendwende in Verbindung stand, aber mittlerweile in Ernüchterung abgeebbt ist. In diesem Kontext kann man die Verfilmung der zweiten Star Wars Trilogie und weiterer futuristischer Filmstücke sehen. Auffällig ist dabei, dass man dort die kapitalistische Gesellschaft auch in Zukunftsszenarien übertrug, bei Futurama teils mit satirischen Elementen. Das ist insgesamt ein kultureller Rückschritt gegenüber der Originalserie von Star Trek aus den 60er Jahren, die in einer kommunistischen Gesellschaft spielt, die dabei ist das All zu erkunden.

Die Zukunft wird nur so werden, wie wir im hier und jetzt anfangen etwas zu tun. Ein Haus wird nur dann fertig, wenn man irgendwann anfängt mit der Grundsteinlegung und dann Stein um Stein mauert. Vielleicht sagt darüber ein Gedicht mehr aus, als ellenlange Erklärungen:

Vom Wesen der Zukunft

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Die Zeit ist am vergehen,

Ob im sitzen oder stehen.

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Man fragt sich: „Was ist schon Zukunft?“

Und weiß nicht prompt eine Antwort,

Denn sie verkörpert nicht Vernunft

Und ist zugleich auch kein Ort.

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Glauben an ein bess’res Leben,

Ohne Einsatz zu geben.

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Von allein bewegt sich kein Stein,

Ohne Tat gibt es keine Saat,

Ohne Bewegung kein Sein,

Ohne Kampf kein Arbeiterstaat.

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Die Zukunft wird das, was wir tun,

Ran ans Werk, und zwar nun!

Wir müssen verstehen, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem dialektischen Verhältnis zueinander stehen. Die Vergangenheit bedingt die Gegenwart, die Gegenwart bedingt die Zukunft. Es handelt sich dabei um die Einheit der Gegensätze von Sein und Werden3. Die Gegenwart ist das Werden des vergangenen Seins, vom gegenwärtigen Sein ist die Zukunft das Werden. „Sage, wie es um die Gegenwart steht. Denn das sind immer die süßesten Worte, auch wenn es bittere Pillen sind. […] Denke über die Zukunft nach, aber nicht so, als ob dir die Zukunft etwas abnehmen würde, sondern so, daß es jeden Augenblick Zeit ist, besser zu werden.“4 – Damit hat Georg Maurer völlig recht. Vom Handeln in der Gegenwart gelangt man in die Zukunft, nicht durch passives Abwarten. Wenn man passiv darauf wartet, dass die Zukunft zu einem käme, ohne eigenes Schaffen, so schiebt man letztendlich die zu erledigenden Aufgaben bloß auf andere ab. Es benötigt Eigeninitiative für das gemeinsame Ziel, die zukünftige Gesellschaft ohne Ausbeuter, den Sozialismus und Kommunismus.

Wenn jemand also für die Zukunft eintreten will, um die Zukunft der Menschheit kämpfen will, so sollte er als sein persönliches Schlussresümee seines Lebens sagen können: „Die Zukunft heißt KOMMUNISMUS, und dafür lebte und starb ich!“5

1 „Tagebuch eines Lyrikers“ (1949) In: Georg Maurer „Was vermag Lyrik?“, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1982, S. 11/12.

2 „Wäre es besser erst in 50 oder 100 Jahren geboren zu sein?“ (7. Oktober 1961) In: Gerhart Eisler „Auf der Hauptstraße der Weltgeschichte“, Dietz Verlag, Berlin 1981, S. 196.

4 „Tagebuch eines Lyrikers“ (1949) In: Georg Maurer „Was vermag Lyrik?“, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1982, S. 15.

5 Brief von Franz Reingruber (8. Mai 1943) In: „Und die Flamme soll euch nicht verbrennen – Letzte Briefe europäischer Widerstandskämpfer“, Verlag Volk und Welt, Berlin 1956, S. 499.

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