Der Katechismus der Vulgärökonomie

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Jedem von uns dürften vulgärökonomische Behauptungen bekannt sein. Jeden Tag begegnet man ihnen bei bürgerlich gesinnten Leuten aller Couleur, vom Liberalen über Sozialdemokraten, Konservativen bis hin zu offenen Faschisten. So sehr die bürgerlichen Anschauungen falsch sind, so sehr sind auch ihre ökonomischen Theorien falsch, die aus auswendig gelernten Sätzen bestehen, die sie wie einen Katechismus der Katholischen Kirche herunterbeten. In diesem Artikel werden aus diesen unzähligen Thesen zehn herausgegriffen und widerlegt.

1. „Die Marktwirtschaft ist effizient.“

Man mag es nicht glauben, aber diesen Satz direkt bestreiten wäre falsch. Jetzt kommt das Aber: Es kommt auf den Bezug an, gegenüber welcher Gesellschaftsstufe gegenüber. Die Marktwirtschaft gehört zum Kapitalismus, wie die Sklaverei zur Sklavenhaltergesellschaft und die Leibeigenschaft zum Feudalismus. Diese kamen vor dem Kapitalismus, denen gegenüber ist die Marktwirtschaft natürlich effizienter. Der Sozialismus mit seiner Planwirtschaft ist der Marktwirtschaft überlegen, weil statt Konkurrenz und Profitstreben die proportionale Entwicklung mit dem Ziel der Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen1.

2. „Produkte sind billiger, wenn sie aus Niedriglohnländern kommen.“

Wäre dem so, würde das Kapital so national wie möglich produzieren, um ihre Profite zu erhöhen. Aber in Wahrheit lässt es T-Shirts in Bangladesch zusammennähen. Warum also? Weil vor Ort die Löhne niedriger sind, somit am variablen Kapital gespart wird. Dazu sparen sie noch am konstanten Kapital, also an den eingesetzten Maschinen, Gebäuden, Materialien. Marx schrieb dazu: „Konstantes Kapital ist der Teil des Kapitals, der aus Rohstoff und Maschinerie besteht. Variables Kapital, der sich gegen Arbeit austauscht.“2 Wenn man am konstanten Kapital spart, indem man die Arbeitsbedingungen so miserabel wie möglich macht und beim variablen Kapital die hohe Arbeitslosigkeit in den Kolonien (nichts anderes ist beispielsweise Bangladesch, wo ausländischen Konzernen bzw. ihren örtlichen Zulieferern der Großteil der Wirtschaft gehört) ausnutzt, so kann man die Profitrate erhöhen. Kommen diese Einsparungen dem Konsumenten zugute? Nein, es wird so teuer verkauft, als würde man es hier produzieren. Das wäre effektiver, man könnte mit weniger Personal mehr produzieren, würde variables Kapital sparen, aber man müsste mehr Maschinen einsetzen, die Kosten das konstanten Kapitals würden höher liegen. Man müsste also für den gleichen absoluten Profit mehr T-Shirts verkaufen. Die Behauptung, dass der Kapitalist aus mystischen Gründen auf einen Teil des Extraprofits verzichten würde, ist eine Neuauflage der absurden Anschauung, was Engels einst widerlegte: „daß 1 Arbeitsstunde nur für ½ Stunden in den Wert eintrete, wenn sie nur für ½ Stunde bezahlt wird“3. Diese vulgärökonomische These bedeutet „Lohn = Wert“ zu setzen. Darauf werde ich später zurückkommen.

3. „Die Marktwirtschaft entwickelt Drittweltländer.“

Oberflächlich kann man das nicht bestreiten, denn das ausländische Kapital investiert erstmal einen gewissen Betrag in diesen Kolonien. Sieht jedoch mehr ins Detail, so findet man, dass der Fokus zumeist auf Rohstoffgewinnung unter erbärmlichen Verhältnissen liegt oder auf Fabrikation von gewissen Konsumgütern auf eine sehr menschenverschleißende Art und Weise, die aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit durch die Ruinierung der Kleinproduzenten mit Dumpingimporten, wie beispielsweise von Agrarprodukten aus der EU. Außerdem sind die Investitionen des Kapitals in regelrechte wirtschaftliche Monokulturen: Die Textilproduktion in Bangladesch, der Kaffee- und Kakaoanbau in Ghana und der Elfenbeinküste und ähnliches, woran jeweils ein Großteil der Wirtschaft dieser Länder hängt. Diese „Entwicklung“ macht diese Länder also noch zusätzlich abhängig von den imperialistischen Ländern und damit sehr erpressbar.

4. „Man kann im Kapitalismus alles werden, was man will, wenn man sich anstrengt.“

Dem ist nicht so, weil man in Bedingungen hineingeboren wird, die man sich nicht aussuchen kann. Mit Glück in eine relativ wohlhabende Familie, mit Pech in eine arme Familie, die arbeitslos ist und kaum überleben kann. Daraus folgen die Chancen für die schulische Laufbahn, ob man Unterstützung erhält, wie zum Beispiel Nachhilfe oder weitere Hilfsmittel, oder ob man ab einem gewissen Punkt scheitert. Das kann damit anfangen, dass man auf einer Hauptschule landet und dann keine Ausbildung erhält oder zwar eine Ausbildung oder Studium erhält, aber dann keinen Arbeitsplatz erhält. Das bürgerliche „Allheilmittel“ Bildung (eigentlich: Berufsqualifikation) funktioniert nur dann, wenn es eine Nachfrage nach dem erlernten Beruf gibt. Sonst ist man sozusagen ein „überqualifizierter Arbeitsloser“. Dieses „Allheilmittel“ war nicht mal vor 200 Jahren, als der Kapitalismus noch einem Jungspund glich, noch revolutionär war, nicht mal eines. Schon der schweizerdeutsche Pädagoge Pestalozzi stellte fest: Der Arme kann so tief arm und die Lage, durch die sich seine Kräfte entwickeln sollten, so widernatürlich und zerstörend auf das Ganze seiner Bildung werden, daß die Vorteile, die er davon ziehen könnte, sich vor seinen Augen in einen Nebel auflösen wie die Vorteile, die ein an Ketten liegender Dürstender von einem Glas Wasser ziehen könnte, das vor seinen Augen über glühendes Feuer gesetzt, sich in einen Nebel auflöst.“4 Ob man unter kapitalistischen Verhältnissen was wird oder nicht ist also zum Teil Geburtsroulette und zum anderen Teil der sozioökonomischen Situation geschuldet.

5. „Eine Genossenschaft ist schlechter als ein Einzelbetrieb.“

Diese Behauptung stellt im Kern den generellen Mythos dar, dass ein Kleinbetrieb effektiver sei, als ein Großbetrieb. Das ist ein Mythos an den diejenigen, die ihn aussprechen, oft nicht einmal selbst konsequent glauben. Sie wissen sehr wohl, dass Maschinen die Arbeiter vereinfachen und beschleunigen und fließbandmäßig angewendet werden, also in Verbindung mit der Kooperation verschiedener Abteilungen bis zur Fertigstellung des Endprodukts. Aber schon seit der Antike, während der Sklaverei, gab es einfache Kooperation5. Marx schrieb über die Kooperation: Durch die Konzentration der Arbeiter und ihre Kooperation auf großem Maßstab wird einerseits konstantes Kapital gespart. Dieselben Gebäude, Heiz- und Beleuchtungsvorrichtungen usw., kosten verhältnismäßig weniger für große als für kleine Produktionsstufen. Dasselbe gilt von der Kraft- und Arbeitsmaschinerie. Obgleich ihr Wert absolut steigt, fällt er relativ, im Verhältnis zur steigenden Ausdehnung der Produktion und zur Größe des variablen Kapitals oder der Masse der Arbeitskraft, die in Bewegung gesetzt wird.“6 Die Genossenschaft schafft einen Großbetrieb auf Grundlage des gemeinsamen Eigentums der Genossenschaftsmitglieder, arbeitet also effektiver als die Einzelbetriebe. Aber sie hebt auch die Konkurrenz der vergenossenschafteten Kleinbetriebe auf dem Markt auf, zumindest innerhalb der Genossenschaft und in Verbindung mit der sozialistischen Planwirtschaft sogar gänzlich, wenn sie Kollektivierung vollendet wurde. Wäre dem nicht so, so würden die Kleinbetriebe sich gegenseitig in den Ruin konkurrieren und es würde letzten Endes ein kapitalistischer Großbetrieb aus zig ruinierten Kleinbetrieben und einem überlebenden expandieren vormaligen Kleinbetrieb entstehen. Engels sah schon den Untergang der Kleinbauern sich abzeichnen im Jahre 18927. Es brauchte noch einige Jahrzehnte bis dahin, aber besonders mit dem Beginn der zweiten Jahrhunderthälfte des 20. Jahrhunderts ging es rasch mit den Kleinbauern vorbei, sie wurden weitestgehend entweder Großbetriebe oder gingen unter. Deshalb ist die Genossenschaft das einzig wirksame Mittel, um die Kleinbourgeoisie sozialistisch umzuwandeln, ohne dass sie verelendet. Das war auch der Hintergrund, warum man unter anderem in der DDR die Kleinbetriebe zu Genossenschaften zusammenfasste8.

6. „Der Kapitalismus entspricht der Natur des Menschen.“

Das stimmt nicht, denn es gab Gesellschaftsordnungen vor dem Kapitalismus, so auch nach diesem. Engels sagte einst: Sowie Du Produktionsmittel sagst, so sagst Du Gesellschaft, und durch diese Produktionsmittel mitbestimmte Gesellschaft. Es gibt ebensowenig Produktionsmittel an sich, außer der Gesellschaft und ohne Einfluß auf sie, wie ein Kapital an sich.“9 Diese Beschwörung der „Natur des Menschen“ als moderner Orakelspruch, um den Status quo zu legitimieren, ist kein Beweis. Die Untersuchung der Entwicklung der Produktionsmittel und dessen Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Beziehungen zwischen den Ausbeuterklassen zu den ausgebeuteten Klassen hingegen bringt Fakten hervor. Es gab vor dem Kapitalismus über Jahrhunderte und Jahrtausende verschiedene Klassengesellschaften, ganz zu schweigen vom Urkommunismus. Wie erklären sich diese Gesellschaftsformen, wenn doch der Kapitalismus der „Natur des Menschen“ entsprechen würde? Auch die Entwicklung des Sozialismus in einer Reihe von Ländern, auch wenn sie größtenteils durch den Revisionismus in den Kapitalismus rücküberführt worden sind und die krassen sozialen Probleme des Kapitalismus zeigen, dass die gesellschaftliche Entwicklung mit der bürgerlichen Gesellschaft noch nicht ausgeschöpft ist. Der angeführte Spruch sieht die menschliche Gesellschaft nicht in Bewegung, sich entwickelnd, sondern starr und erfroren in einem bestimmten Zustand. Dabei macht das menschliche Wesen doch gerade seine Anpassungsfähigkeit aus.

7. „Der Markt hat die Bedarfsdeckung als Ziel.“

Wenn dem so wäre, dann würde der Profit nicht im Mittelpunkt stehen und es gäbe die sozialen Probleme im Kapitalismus nicht. Zur Bedarfsdeckung gehört nicht nur die Produktion von theoretisch ausreichend Produkten für die Gesellschaft, sondern auch die Schaffung von Produktions- und Eigentumsverhältnissen, die deren Konsumtion durch die Gesellschaft ermöglichen. Dies ist im Kapitalismus aber nur zu dem Grade der Fall, wie es Maximalprofit erzeugt, also ist der Bedarf, der Gebrauchswert, bloß Vehikel und nicht Zweck. Das Wertgesetz ist der Regulator der Produktion im Kapitalismus, also wird das produziert, was dem Unternehmer den höchsten Gewinn bringt und nicht das, was am meisten benötigt wird. Außerdem wird, wenn Arbeitsprozesse automatisiert werden, nicht die Arbeitszeit verringert, sondern diejenigen entlassen, die dadurch wegrationalisiert worden sind auf Grundlage der bestehenden Arbeitsverhältnisse. Diese werden arbeitslos und damit ihre Konsumtionsfähigkeit massiv reduziert, was wiederum sehr drastisch gegen die Bedürfnisse dieses Teils der Arbeiterklasse geht. Nicht Bedarfsdeckung, sondern Profitmaximierung für die Unternehmer ist Ziel und Zweck des Kapitalismus.

8. „Den Markt darf man bloß nicht regulieren.“

Die bürgerlichen Propagandisten verschiedener Schattierungen sprechen davon, allen voran die Liberalen. Die Marktwirtschaft beruht auf dem Privateigentum, das eben unplanmäßig (wenn auch innerhalb eines Konzerns gewisse Prozesse planmäßig verlaufen, so gilt dies nicht für die ganze kapitalistische Wirtschaft) produziert, also Warenproduktion betreibt. Das führt zur Konkurrenz. Die Konkurrenz ist die „liebste Tochter“10 der bürgerlichen Ökonomen, wie Engels im Jahre 1844 sagte. Das hat sich bis heute nicht geändert. Dabei hat sich vieles in der Welt verändert, die Konkurrenz führte durch das Ausstechen konsequent zur Monopolisierung des Kapitals. Engels schrieb dazu: Der Gegensatz der Konkurrenz ist das Monopol. Das Monopol war das Feldgeschrei der Merkantilisten, die Konkurrenz der Schlachtruf der liberalen Ökonomen. Es ist leicht einzusehen, daß dieser Gegensatz wieder ein durchaus hohler ist. Jeder Konkurrierende muß wünschen, das Monopol zu haben, mag er Arbeiter, Kapitalist oder Grundbesitzer sein. Jede kleinere Gesamtheit von Konkurrenten muß wünschen, das Monopol für sich gegen alle andern zu haben. Die Konkurrenz beruht auf dem Interesse, und das Interesse erzeugt wieder das Monopol; kurz, die Konkurrenz geht in das Monopol über.“11 Natürlich ruft ein Marktmonopol den Versuch hervor, dies zu unterlaufen, ob legal oder illegal. Dennoch sieht die Praxis so aus, dass es effektiv funktioniert. Auch Absolutes ist relativ12. Das heißt natürlich nicht, dass es nichts Absolutes gäbe, sondern lediglich, dass die Auswirkungen davon relativ sind und man davon ausgehen kann, dass es quantitativ hier und dort unterlaufen wird. Die Wirksamkeit des Monopols könnte wirklich nur dadurch gebrochen werden, dass man es qualitativ bricht, es also zerschlägt oder es in Konkurrenz zu einem in diesem Fall ebenbürtigen ausländischen Konzern steht, der anfängt im jeweiligen Land zu investieren. Das sehen Liberale gerne als ein „Heilmittel“ an, jedoch steht ersterem primär die Macht des Kapitals entgegen praktisch jeden bürgerlichen Politiker, der das ernsthaft vor haben sollte, zu bestechen und bei beiden das Endproblem: Nach einer gewissen Phase, die je nach Entwicklungsstand der Produktivkräfte immer kürzer wird, weil immer mehr Kapital notwendig ist, um sich zu behaupten, steht wieder das Monopol.

9. „Den Markt muss man regulieren, dann funktioniert alles.“

Nun zur anderen Seite der Medaille. Es gab in den Ausbeuterstaaten schon immer Regularien, selbst in der Sklaverei im antiken Rom. Ein jedes Gesetz ist praktisch eine Regulierung. Verstanden wird darunter aber meist ein direkter ökonomischer Eingriff. Wenn man davon ausgeht, von dieser Einengung des Begriffs ausgeht, so ändert sich die generelle Feststellung nicht, sie wird nur konkreter. Der Staat ist kein Schiedsrichter, der über den Klassen steht, sondern ein Herrschaftsinstrument der herrschenden Klassen, sei es so offenkundig, wie der Feudalstaat oder scheinbar indirekter, wie im bürgerlichen Staat. Der Staat handelt im Sinne der Bourgeoisie und greift entsprechend auch regulierend ein. Warum verbessert das aber die Situation der Werktätigen nicht? Weil es im Interesse der Bourgeoisie reguliert. Das mag trivial klingen, aber die Realität beweist es. Trotz der Fülle an vorhandenen Mitteln wird Arbeitslosen praktisch nicht mal die Unterstützungsleistung gezahlt, die zum leben notwendig ist13, während die Bourgeoisie ausgekauft wird, wenn sie ein Unternehmen an die Wand fährt, wie beispielsweise die Commerzbank im Jahre 2008, als sie verstaatlicht wurde, nachdem sie ins Straucheln geriet. Gleiches gilt für die Abwrackprämie 2009, die mit Steuergeldern die Profite des Kapitals sicherte. Den Kapitalismus zu regulieren ist sinnlos, das ist ein Herumdoktern an unversöhnlichen Widersprüchen. Das nur abgesehen davon, dass die Bourgeoisie es niemals akzeptieren würde Regularien zu ihrem Nachteil einzuführen, wenn nicht gesellschaftlicher Druck sie dazu nötigt. Solange die DDR existierte, der Sozialismus direkt vor der Haustür der BRD stand, gab es Regularien im Krankenhausbereich zum Beispiel, die unlängst dem Marktgesetz des Maximalprofits geopfert worden sind. Trotz dieser Flicken gab es in der BRD bis 1990 auch Elend, aber das war natürlich noch nicht in einem solchen Ausmaß vorhanden wie heute, aber auch damals hatte es eine zunehmende Tendenz. Nicht die Privatwirtschaft regulieren, sondern vergesellschaften, selbst in die Hand nehmen!

10. „Die Löhne bestimmen die Preise.“

Zu guter Letzt der Gottvater aller kapitalistischer Mythen. Schon seit Marx ist bekannt, dass dieser Mythos falsch ist, was aber viele nicht davon abhält, es doch weiterhin herunterzubeten. Dem kann man nur zu Gute halten, wenn die betroffene Person einen ehrlichen Fehler begehen sollte, dies aus Unwissenheit aufgrund des politischen Obskurantismus der Bourgeoisie tut. Für die bürgerlichen Demagogen, allen voran die liberalen Schreihälse, kann man diese Gnädigkeit nicht gelten lassen, sie tun es aus niederen Beweggründen. Nun zum Inhalt. Wie erwähnt, polemisierte Engels gegen den Gedanken bürgerlicher Ökonomen, dass eine Stunde, die nur für eine halbe bezahlt wurde, nur zur Hälfte in den Wert einfließen würde14. Das ist natürlich absurd, denn diese Stunde fließt dennoch in den Wert ein und der Unternehmer erhöhte lediglich seine Profitrate um das Zweifache. Eine solche Profitsteigerung kann man durch direkte Lohnabsenkung durchsetzen als offensichtlichstes Mittel. Es ist aber auch möglich durch die Verdichtung der Arbeit den Lohn faktisch zu senken, weil die Arbeit anstrengender wird, ohne ihn nominell zu senken. Ein Beispiel davon war das Taylorsystem15. Danach funktionieren viele Systeme ähnlich, wie beispielsweise das Fordsystem. Würden solche Maßnahmen nicht den Profit erhöhen, dann würde man sie nicht einführen. Das Grundproblem der Gleichsetzung der Löhne mit den Preisen ist, dass es nicht hinterfragt, woher der Profit kommt. Er kommt durch den Wert der zugesetzten Arbeit zu einem Produkt, wobei die vorangegangene Arbeit zur Verarbeitung von Rohstoffen und Halbfabrikaten einberechnet werden muss. Er kommt nicht „aus dem Nichts“, das wäre eine leere Lösungsmenge, wie man in der Mathematik sagen würde. Auch der Handelsprofit ist nicht primär Wucher, sondern in erster Linie ein Teil des Profits, die Zusetzung von Arbeitskraft zum Anbieten und Absatz einer Ware. Die Preise setzen sich also vom Aufwand an Arbeitskraft zusammen16.

Im Alltag mag man noch vielen weiteren Anschuldigungen begegnen, aber diese zehn Stück dürften in etwa die bedeutsamsten vulgärökonomischen Thesen sein, denen man begegnet. Möge dies eine argumentative Stütze im Kampfe gegen die bürgerliche Ideologie sein, besonders auf dem Felde der Ökonomik des Kapitalismus.

1Siehe dazu: A. Kurski „Die Planung der Volkswirtschaft in der UdSSR“, Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau 1949, S. 5.

2Karl Marx an Friedrich Engels (6. Juli 1863) In: Karl Marx/Friedrich Engels „Briefe über ´Das Kapital´“, Dietz Verlag, Berlin 1954, S. 121.

3Friedrich Engels an Karl Marx (26. Juni 1867) In: Ebenda, S. 139.

4Zweck und Plan einer Armen-Erziehungsanstalt“ (1805) In: Johann Heinrich Pestalozzi „Ausgewählte Werke“, Bd. III, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1964, S. 124.

5Siehe: Karl Marx „Das Kapital“, Bd. I In: Karl/Marx/Friedrich Engels „Werke“, Bd. 23, Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 353.

6Karl Marx „Das Kapital“, Bd. III In: Karl/Marx/Friedrich Engels „Werke“, Bd. 25, Dietz Verlag, Berlin 1969, S. 92.

7Siehe: Friedrich Engels an Nikolai Franzewitsch Danielson (15. März 1892) In: Karl Marx/Friedrich Engels „Briefe über ´Das Kapital´“, Dietz Verlag, Berlin 1954, S. 340.

8Siehe: „Gesetz über die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“ (3. Juni 1959) In: „LPG-Gesetz der DDR 1959 – 1990“, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2006, S. 7.

9Friedrich Engels Brief an Karl Kautsky (26. Juni 1884) In: Karl Marx/Friedrich Engels „Briefe über ´Das Kapital´“, Dietz Verlag, Berlin 1954, S. 289.

10Friedrich Engels „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“ (Ende 1843/Januar 1844) In: Karl Marx/Friedrich Engels „Werke“, Bd. 1, Dietz Verlag, Berlin 1958, S. 513.

11Ebenda.

12Vgl. „Zur Frage der Dialektik“ (1915) In: W. I. Lenin „Werke“, Bd. 38, Dietz Verlag, Berlin 1973, S. 339.

14Siehe: Friedrich Engels an Karl Marx (26. Juni 1867) In: Karl Marx/Friedrich Engels „Briefe über ´Das Kapital´“, Dietz Verlag, Berlin 1954, S. 139.

15Siehe: „Das Taylorsystem – Die Versklavung des Menschen durch die Maschine (13. März 1914) In: W. I. Lenin „Werke“, Bd. 20, Dietz Verlag, Berlin 1961, S. 145 ff.

16Siehe zu dieser Thematik auch: Karl Marx „Lohn, Preis und Profit“ (Mai/Juni 1865) In: Karl Marx/Friedrich Engels „Werke“, Bd. 16, Dietz Verlag, Berlin 1962, S. 103 ff.

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