Es wird viel geredet über die drei bedeutendsten imperialistischen Mächte USA (mit den NATO-Staaten), Russland und China, aber zumeist endet es entweder in „Wir müssen alle imperialistischen Mächte gleichmäßig bekämpfen!“ und anderen „linken“ Abweichungen. Ich werde hier darlegen, warum wir den US-Imperialismus hauptsächlich bekämpfen müssen und was unsere allgemeinen Aufgaben sind, um ebenfalls nicht zum Anhängsel der russischen oder chinesischen Imperialisten zu werden, denn das wäre eine Rechtsabweichung. Zum Schluss werde ich einige alltägliche, aktuelle Beispiele bringen und aufzeigen, wie wir uns in diesen Konflikten verhalten sollten und wen wir wie unterstützen sollten.

1. Warum wir den US-Imperialismus als Primärwiderspruch bekämpfen sollten

Zu aller erst müssen wir anerkennen, dass die Vereinigten Staaten die größte imperialistische Macht auf der Welt sind, mit Basen auf jedem Kontinent und einem Militärbudget, das höher ist, als das aller anderen Länder der Welt zusammengenommen. Offensichtlicherweise geht die größte Gefahr und die größte Unterdrückung von der Bourgeoisie der Vereinigten Staaten aus. Von Südkorea und Japan bis zum Baltikum und Rumänien, von Australien bis Grönland, die Welt ist voller US-Basen, allzeit bereit überall zuzuschlagen, wo auch immer sie sich im Krieg befinden, ob im Afghanistankrieg, zwei Kriegen im Irak, der Syrienkrieg usw. Auch gibt es viele Länder, die von ihrer militärischen Unterstützung abhängig sind und wo die amerikanische Bourgeoisie viel Kapital investiert hat (Kolonien und Semikolonien wie Ägypten, Afghanistan, Irak, Pakistan und viele mehr).

Da ist auch noch beispielsweise Deutschland, Großbritannien und Frankreich als imperialistische Länder, aber diese sind Lakaien des US-Imperialismus, obwohl sie auch Widersprüche zu diesem haben. Sie sind Teil der NATO und so dem US-Imperialismus unterworfen.

Dann gibt es noch Russland und China.

Russland besitzt nur eine Hand voll Auslandsbasen (zum Beispiel eine Marinebasis in Syrien) und bei Betrachtung der Situationsentwicklung wird deutlich, dass diese in einer defensiven Position den USA gegenüber sich befinden. Nach dem Zusammenbruch der Reste des Revisionismus in der UdSSR unter Gorbatschow (trotz des Referendums vom März 1991, in dem das sowjetische Volk mehrheitlich für die Erhaltung der Sowjetunion sich aussprach), drängten die Vereinigten Staaten und ihre Lakaien in Form der Europäischen Union gen Osten. Heute ist fast ganz Osteuropa entweder Teil der NATO oder EU oder gar beides, und diese stützen das faschistische Regime in der Ukraine, welches nicht bestehen könnte ohne massive Unterstützung von Seiten der NATO und EU, besonders durch die USA. Natürlich hat Russland heutzutage viele ehemalige Sowjetrepubliken als Kolonien oder Semikolonien, welche nicht selten mit Anhieb des Gas- und Ölpreises gedroht wird und über deren Kernteile ihrer Nationalökonomien Russland die Kontrolle hat.

Der Fall China ist etwas komplexer, denn diese sind zum einen ein ehemals sozialistisches Land, was nicht formell die Farbe gewechselt hat (ein Staat vom Tito-Typus) und zweitens noch nicht allzu lange eine imperialistische Macht ist. Dennoch, sie investieren in Nepal, Myanmar, in afrikanische und andere Länder, um aus ihnen Profite rauszupressen. Auch unterstützte China im Jahre 2002 das Königreich Nepal gegen die maoistischen Revolutionäre und verdammte diese öffentlich. Es ist offensichtlich, dass die chinesische Bourgeoisie nicht den Sozialismus unterstützt, oder zumindest nicht, wenn es ihre Profite gefährdet. Wenn überhaupt, dann bloß als Mittel gegen die USA vielleicht (ein solcher Fall ist bisher nicht eingetreten seitdem China den Kapitalismus restauriert hat). Neben dem Entsenden einiger Truppenkontingente nach Afrika im Jahre 2017 scheinen sie außerhalb ihrer Grenzen militärisch noch nicht sonderlich aktiv zu sein.

Also, wenn man vergleicht, hat die USA ein Übergewicht als imperialistische Macht. Sie dominieren auf Weltebene. Wenn wir Russland oder China nicht gegen den US-Imperialismus unterstützen und einfach „neutral“ bleiben oder „gegen alle“ sind (was in der Praxis auf das Gleiche hinausläuft, nur mit einem „radikaleren“ Anklang), unterstützen wir bloß den US-Imperialismus dadurch, dass wir passiv ihren Raub- und Feldzügen gegenüber bleiben. So verlieren wir eine potentielle Kraft (imperialistische Konkurrenten gegen die USA), welche wir natürlich nicht nützen können, um den Sozialismus zu errichten (Rechtsopportunisten behaupten, dass wir das könnten und würden), jedoch können wir diesem Ziel wenigstens einen Schritt näher kommen, indem wir versuchen der „sich freuende Dritte“ zu sein.

2. Allgemeine Prinzipien und Aufgaben

Was muss von unserer Seite getan werden in diesem Kampf? Wir müssen uns taktisch verbünden gegen den US-Imperialismus, sei es mit Russland, China oder anderen Konkurrenten gegen die USA (zum Beispiel der Iran). Wenn der US-Imperialismus in ein Land einmarschiert, so müssen wir uns mit dem lokalen Widerstand dagegen verbünden. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir uns mit ihnen prinzipienlos vereinigen, denn das wäre Rechtsopportunismus. Dieser manifestiert sich in der dummen Idee „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“, was nicht notwendigerweise stimmt, denn es ist bloß eine von zwei Möglichkeiten: Wir haben einen gemeinsamen Feind und ein gemeinsames Ziel. Und was ist, wenn wir einen gemeinsamen Feind haben, aber kein gemeinsames Ziel? Dann würden wir uns in ein bloßes Anhängsel der russischen oder chinesischen Bourgeoisie verwandeln, oder welchen Land auch immer, mit dem wir uns taktisch verbünden. Wir können uns nur vollständig vereinigen mit unseren Genossen, zum Beispiel die DVRK im Kampfe gegen den US-Imperialismus. Unser gemeinsames Ziel ist der Sozialismus, sie sind unsere Genossen, also gibt es keine antagonistischen Widersprüche zwischen uns. Wenn wir uns taktisch verbünden mit dem Iran, Russland oder China, dann vereinigen wir uns nur auf der Grundlage die US-imperialistische Aggression zurückzuschlagen. Sie wollen nur ihre Kolonien bewahren, ihr unabhängiges bürgerliches Regime oder was auch immer in ihrem Interesse steht. Sie würden uns gemeinsam mit dem US-Imperialismus niederschlagen, wenn wir revoltieren würden, ähnlich wie die vereinigten imperialistischen Mächte es beim Boxeraufstand in China taten. Sie hassen einander, aber noch mehr hassen sie die Werktätigen, die dabei sind ihre Ketten zu zerschmettern und sich von ihrer Versklavung zu befreien. Das ist ganz klar ein antagonistischer Widerspruch. Trotzdem kann der Widerspruch von imperialistischen Mächten untereinander temporär stärker werden, als dieser zwischen dem Proletariat und einigen imperialistischen Mächten (wie im Zweiten Weltkrieg im Kampfe gegen den Faschismus). Natürlich beseitigt das nicht den Widerspruch zwischen der Bourgeoisie der imperialistischen Regime mit denen wir uns taktisch verbünden und unseren proletarischen Kräften, diese werden nur zeitweilig überwogen durch die Widersprüche mit der Bourgeoisie anderer imperialistischer Mächte.

Also bestehen zwei antagonistische Widersprüche: Der übliche Widerspruch von Proletariat und Bourgeoisie und der Widerspruch zwischen den imperialistischen Mächten die einander bekämpfen, welcher den ersteren zeitweilig überwiegt, ohne ihn zu beseitigen. Diese Tatsache beweist, dass ein taktisches Bündnis nicht sonderlich stabil sein kann, aber möglich ist für einen bestimmten Zeitraum (solange die imperialistischen Mächte sich einander bekriegen). Das ist die Doppelnatur dieser anti-USA imperialistischen Kräfte.

Gab es schon mal solche Bündnisse in der Geschichte? Ja, es gab sie. Eine war die Anti-Hitler-Koalition, eine andere war die Allianz von KPCh und KMT in China während des Antijapanischen Befreiungskrieges. Mao Tsetung entwickelte dort das Konzept von „Sowohl Einheit als auch Kampf“, was bedeutete in diesem Falle sich im Kampfe gegen die japanischen Invasoren mit den KMT zu vereinen, aber ebenso die antikommunistischen, faschistischen Angriffe von ihnen gegen die KPCh zu bekämpfen, welche trotz der Koalitionsregierung hin und wieder vorkamen (aufgrund der beiden Antagonismen; Ich wiederhole: überwiegen bedeutet nicht den anderen Antagonismus zu liquidieren!). Für uns bedeutet dieses Prinzip, dass wir uns gegen den US-Imperialismus vereinigen müssen, aber ebenso vorsichtig sein müssen, dass die anderen imperialistischen Mächte und anderen konkurrierenden Kräfte uns nicht zerschlagen, weil diese den Kampf für unsere Sache nicht dulden, sondern nur den Fakt, dass wir ebenfalls ihren Feind, die USA, bekämpfen. Wir müssen so koordiniert wie möglich den US-Imperialismus bekämpfen, aber gleichzeitig die von uns befreiten Gebiete von den anderen Anti-US-Kräften trennen. Wir können unsere Gebiete nicht einfach, sagen wir Russland, übergeben, denn das wäre Kapitulantentum, würde uns zum Anhängsel des russischen Imperialismus machen und unsere Sache überhaupt nicht vorwärtsbringen.

Wir müssen uns stets vor Augen halten, dass nach dem Rauswerfen des US-Imperialismus und seiner Lakaien wir in einem weiteren (Bürger-)Krieg enden werden von unseren sozialistischen Kräften gegen dann, um beim Beispiel zu bleiben, den russischen Imperialismus. Wer das nicht anerkennt, der wird als Lakai des nicht-amerikanischen Imperialismus enden und nicht in einem sozialistischen Morgen.

3. Einige aktuelle Beispiele

Nach der Darlegung unserer Aufgaben und Prinzipien werde ich einige alltägliche Beispiele anführen wie wir uns verhalten sollten, wie wir diese Erkenntnisse anwenden sollen.

Syrien: Hier stehen sich der russische Imperialismus und der US-Imperialismus sich gegenüber durch ihre Proxys: Assad an der Spitze von Syrien gegen den Islamischen Staat und andere Lakaien der Vereinigten Staaten. Wir müssen Assad gegen die US-Invasion unterstützen, eigene Gebiete erobern mit Milizen, diese nicht an Assad-Syrien übergeben, sondern stattdessen dort die volksdemokratische Macht errichten. Wenn der Syrienkrieg vorüber ist, dann werden wir gegen Assad-Syrien kämpfen müssen und natürlich den russischen Imperialismus, weil der Primärwiderspruch mit dem US-Imperialismus in diesem Lande dann verschwunden ist und wir wahrscheinlich ohnehin unter Beschuss wären, da Assad-Syrien versuchen wird das bürgerliche Regime in ganz Syrien wiederherzustellen, während wir ein sozialistisches Syrien als Ziel haben.

Ukraine: Hier hat der US-Imperialismus und seine europäischen Lakaien einen faschistischen Putsch inszeniert im Jahre 2014 gegen die vormals pro-russische Regierung, was einen Bürgerkrieg auslöste, hauptsächlich gegen die russischen Ukrainer. Das führte Das führte zur Gründung der Donbass-Republiken. Wir müssen diese gegen das faschistische Kiew-Regime unterstützen, aber dürfen keinesfalls der Illusion verfallen, dass diese den Sozialismus aufbauen würden. Diese sind bloß pro-russische, nicht-faschistische bürgerliche Staaten. Sie zu unterstützen würde sicherlich den Faschismus beenden, aber keinesfalls den Kapitalismus, es würde die Ukraine nur in das zurückverwandeln, was sie vor dem Putsch gewesen ist: Eine russische Semikolonie.

Wir müssen ihnen im Kampf gegen Kiew helfen, aber auch eigene Territorien erobern und dort die volksdemokratische Macht errichten. Blind sich auf den Donbass verlassen bedeutet Rechtsopportunismus, den Donbass bekämpfen solange das faschistische Regime in Kiew besteht, bedeutet „linker“ Opportunismus und eine Spaltung der anti-US imperialistischen Kräfte. Nachdem der Bürgerkrieg vorbei ist und das Kiewer faschistische Regime beseitigt ist, wird es einen weiteren Bürgerkrieg geben: Der Bürgerkrieg zwischen den sozialistischen gegen die antisozialistischen Kräfte, ganz wie ich es schon zu Syrien angemerkt habe.

Iran: Hier gibt es (noch?) keinen offenen Krieg, aber der US-Imperialismus bedroht den Iran mit der Invasion, das ist wohlbekannt. Also haben wir hier momentan kein bewaffnetes Kampfziel, aber die Frage, wen wir unterstützen. Trotzkisten rufen „ultralinke“ Losungen wie „Nieder mit der Theokratie!“ und ähnliche, aber haben kein Konzept, was danach kommen soll. Oft unterstützen diese sogar eine pro-amerikanische bürgerliche „Demokratie“, obwohl das bedeutet den Iran zur Semikolonie der USA zu machen und den Iran zum Ausbeutungsobjekt des US-Imperialismus zu machen. Die Bevölkerung wird unter den Stiefeln des US-Imperialismus keineswegs besser leben als unter dem jetzigen theokratischen Regime. Also müssen wir pro-amerikanische Bewegungen im Iran bekämpfen, während wir gleichzeitig unsere genossen dort unterstützen müssen in ihrem Kampf das jetzige Regime im Iran zu stürzen. Der Status quo ist besser als ein iranischer Staat als Marionette der USA, aber es hilft unserer Sache ebenso wenig den jetzigen bloß zu behalten, denn dort werden die Massen genauso unterdrückt, wie in jedem anderen bürgerlichen Regime. Unser Ziel ist ein sozialistischer Iran, genauso wie eine sozialistische Ukraine oder ein sozialistisches Syrien.

Ich hoffe, dass diese Ausführungen Euch helfen die Widersprüche zwischen den imperialistischen Mächten richtig zu behandeln und einzuschätzen, indem man sie gegeneinander ausspielt, ohne in entweder in „linker“ Phrasendrescherei zu verfallen oder als Rechtsopportunist zu enden, als bloßer Lakai des russischen oder chinesischen Imperialismus, trotz aller pseudo-sozialistischen Phrasen. Die Dinge sind so, wie beim Mikado-Spiel: Unser Ziel ist es das Stäbchen ganz unten aufzuheben. Dafür können wir nicht einfach direkt bis nach unten reingrapschen, sondern müssen uns vorarbeiten durch das schrittweise Entfernen der darüber befindlichen Stäbchen, bis wir beim untersten Stäbchen angekommen sind. Die Stäbchen sind hier Symbolbild für die Widersprüche, die wir lösen müssen auf dem Weg zur Revolution.

Mögen die unterdrückten und ausgebeuteten Völker sich siegreich über die Mächte des Imperialismus erheben!

– Mihály Wubulixi