Dieser Artikel ist dem 60. Todestag Johannes Robert Bechers gewidmet. Johannes R. Becher, der Schöpfer der sozialistischen deutschen Nationalhymne und Dichter der Nation, verstarb am 11. Oktober 1958.

Seine Weltanschauung: Der Marxismus-Leninismus

Womit soll man anfangen, wenn man der großen Bedeutung dieses Mannes bewusst wird? Am besten wohl mit seiner Weltanschauung. Er war ein Genosse, ein Marxist-Leninist und begabter Dichter. In Kontakt mit dem Leninismus kam er Anfang der 20er Jahre, als er erstmals Lenins Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ las. Über die Bedeutung dessen schrieb Becher:

„… wer die Schrift Lenins nicht kennt, dem muss das Rätsel unseres Jahrhunderts verschlossen bleiben. Er kann nichts verstehen von dem Entscheidenden, das sich um die Jahrhundertwende herum vollzogen hat, und er wird nur oberflächliche Vorstellungen gewinnen von dem ersten und dem zweiten Weltkrieg, von der Katastrophe unseres Volkes, denn die eigentlichen Triebkräfte, wie sie in Lenins Werk bloßgelegt werden, bleiben ihm verborgen.“1.

Welch große Bedeutung dies für ihn hatte, bezeugt sein weit bekanntes Gedicht „Der an den Schlaf der Welt rührte – Lenin“, wo er seiner Bewunderung für Lenin, die Sowjetunion und den Sozialismus kundtut. Aber nicht nur dort brachte er seine Bewunderung zum Ausdruck. Zum Beispiel sagte er im Gedicht „Wir sind die Kommune“ unter anderem dies: „Wir sind die Kommune. Es siegte schon die große Kommune, die Sowjetunion, unser aller Kommune.“ und „Wir sind die Kommune. Uns führt Lenin. Arbeiter Deutschlands, hört auf ihn! Er spricht im Betriebe. Erkennt eure Kraft. Ihr roten Garden der Arbeiterschaft! Vorwärts, Kommune!“2. Über Gedichte wie diese schrieb Johannes R. Becher im Jahre 1956 zutreffend: „Nicht wenige unserer Werke, die von dem geschichtlichen Ereignis der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution singen und sagen, werden Bestand haben und die Zeiten überdauern.3. Aber nicht nur mit Lenin beschäftigte sich Johannes R. Becher. Auch Mao Tsetung las er. Im Jahre 1958 sagte Becher: „Mao Tse-tung hat den wahren Satz gesprochen: ´Ein unpolitischer Mensch ist ein Mensch ohne Seele.´4 Welch ein tiefer, welch ein wunderbarer Satz. Gerade wir Deutsche, deren Verinnerlichungssucht und apologetische Haltung schon eine Serie von Verhängnissen in unserer Geschichte heraufbeschworen haben, sollten diesen Satz immer gegenwärtig haben.“5. Welch wahre Worte, sowohl von Mao, als auch von Becher!

Nun komme ich auf seine nationale Rolle zu sprechen.

Seine nationale Bedeutung und die sozialistische Zukunft Deutschlands

Natürlich war sein Werk auch von aufrichtigem sozialistischen Patriotismus getrieben. Das wohl bekannteste Zeugnis dafür ist seine sozialistische Nationalhymne Deutschlands, in der er singen ließ „… lass uns dir zum Guten dienen, Deutschland einig Vaterland.“6, womit er sich offen gegen die Teilung Deutschlands durch den Bruch des Potsdamer Abkommens von Seiten der Westmächte aussprach, kurz gesagt, gegen den damaligen Separatstaat BRD. Unvergessen sei hier Adenauers Ausspruch „Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb.“, womit eine friedliche Lösung der Deutschlandfrage, wie es die Sowjetunion unter anderem 1952 vorschlug, in den Wind geschlagen wurde. Die Nationalhymne lässt natürlich auch den Klassenkampf nicht außen vor: „Wenn wir brüderlich uns einen, schlagen wir des Volkes Feind.“7. Es ist klar, dass mit „des Volkes Feind“ die Bourgeoisie und ihre Lakaien gemeint sind, Kriegsverbrecher wie Flick und Adenauer mit Nazis, wie beispielsweise Globke, in seinem Kabinett. Dass diese semi-faschistischen Terror anwendeten gegen alles Progressive, wie Friedensdemonstranten, Demonstranten für die Vereinigung Deutschlands, dem auch Philipp Müller zum Opfer fiel, oder auch die westdeutsche KPD, ist aus deren Klasseninteresse nicht verwunderlich. Die Abkömmlinge der selben Leute beherrschen noch immer die BRD, ob als direkte Erbnachfolger a la Quandt oder stehen als Nachfolger im Geiste im Solde der Bourgeoisie.

Zur großen nationalen Rolle Johannes R. Bechers widmete Walter Ulbricht diese noch heute bedeutsamen Worte: Johannes R. Becher ist der größte deutsche Dichter der neuesten Zeit. Er ist der deutsche Dichter, der als einziger mit dieser Konsequenz und dieser Vielfalt der Mittel von den Positionen des Humanismus aus gegen den deutschen Imperialismus zu Felde gezogen ist und den deutschen Menschen geholfen hat und weiter helfen wird, den Weg zum neuen, zum sozialistischen Deutschland zu finden.“8 Ja, so möge es kommen! Johannes R. Bechers Vermächtnis, ganz besonders seine Dichtkunst, sind Inspiration, Hoffnungsschimmer auf das kommende, sozialistische Deutschland, für das wir kämpfen. Die DDR ist uns Vorbild dafür. Johannes R. Becher nannte die DDR zutreffenderweise „das Deutschland von morgen“9; und das wird es gewissermaßen auch sein, trotz der temporären Niederlage! Es ist wie Becher sagte: „Und schlägt man uns nieder, morgen schon stehen wir aufrecht wieder.“10. Die Bourgeoisie konnte vielleicht ein paar Schlachten für sich entscheiden, aber den Krieg der Klassen, den kann sie nicht gewinnen, denn die Widersprüche des Kapitalismus lassen sich nicht innerhalb dessen lösen. Der Sozialismus wird den Kapitalismus ablösen, auf kurz oder lang.

Mögen diese Worte Johannes R. Bechers wieder einmal zur Lebenswirklichkeit der vielen Millionen Werktätigen Deutschlands werden:

Seht, Großes wird vollbracht!

Das Volk schafft sich sein Leben.

Und war der Weg auch schwer,

ein Jubel sich erhebt.

Seid euch bewusst der Macht!

Die Macht ist euch gegeben,

dass ihr sie nie, nie mehr

aus euren Händen gebt!“11

1Johannes R. Becher „Werke in drei Bänden“, Bd. 3, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1976, S. 8.

2Johannes R. Becher „Das Atelier – Ausgewählte Gedichte 1914 – 1958“, Insel-Verlag, Leipzig 1969, S. 94.

3Johannes R. Becher „Werke in drei Bänden“, Bd. 3, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1976, S. 433.

4Vgl. Mao Tse-tung „Über die richtige Lösung von Widersprüchen im Volke“, Dietz Verlag, Berlin 1957, S. 31. Das korrekte Zitat lautet: „Keine richtigen politischen Ansichten haben, bedeutet keine Seele haben.“

5Johannes R. Becher „Werke in drei Bänden“, Bd. 3, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1976, S. 473/474.

6„Leben Singen Kämpfen – Liederbuch der deutschen Jugend“, Verlag Neues Leben, Berlin 1954, S. 8/9.

7Ebenda, S. 9.

8Johannes R. Becher – Der größte deutsche Dichter der neuesten Zeit“ (15. Oktober 1958) In: Walter Ulbricht „Zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“, Bd. VII, Dietz Verlag, Berlin 1964, S. 586.

9Johannes R. Becher „Werke in drei Bänden“, Bd. 3, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1976, S. 480.

10Johannes R. Becher „Das Atelier – Ausgewählte Gedichte 1914 – 1958“, Insel-Verlag, Leipzig 1969, S. 93.

11Ebenda, S. 144/145.