DIE ROTE FRONT

Kommunistisches Theorieorgan

Kategorie: National (Seite 2 von 2)

Nico Jühe: Stichwort ideologische Definitionshoheit

Wir veröffentlichen nachstehend einen Kommentar von Nico Jühe zur ideologischen Definitionshoheit:

Wir werden erst wieder eine erfolgreiche revolutionäre Bewegung in Deutschland aufbauen können, wenn wir anerkennen, dass der Klassenfeind uns derzeit ideologisch haushoch überlegen ist.
Mit „ideologisch“ meine ich hier nicht nur das, was man gemeinhin „bürgerliche Ideologie“ nennt, sondern alle Methoden psychologischer, manipulativer und realer Herrschaftsausübung.
Ich möchte kurz an mehreren Punkten verdeutlichen, worin für mich diese Überlegenheit besteht:

1. Diskurs und Debatte
Ab den 30er Jahren etwa sprießen Sozialwissenschaften und Psychologie an den Universitäten, ihre Forschungsergebnisse flossen nicht nur in Werbung und Marketing, sondern auch in Think Tanks für die gezielte Massenmanipulation. Alles was wir an Nachrichten in Medien & Fernsehen wahrnehmen, ist anhand der Erkenntnis psychologischer Manipulationstechniken erstellt, dazu gehören auch, wie berichtet wird, was berichtet wird, und in welchem Umfang es berichtet wird. Selbst die Reaktionen auf solche „News“, seien es Bejahung und Verneinung, sind einkalkuliert und werden so bewusst als „Debatte“ gesteuert. Ich meine mit bewusst nicht, dass es Menschen/Institutionen gibt, die das genau so steuern, sondern dass es durch lange Zeit der Gewöhnung so entstanden ist. Dazu gehört auch das Spektrum, wie öffentliche Debatten durch Medien geführt werden: Die Positionen sind heruntergebrochen immer übersehbar, sie werden jedoch in einer Variationsbreite vorgetragen, dass man glaubte, es würde sich ein breites Meinungsspektrum äußern. Ein entscheidender Punkt scheint mir dabei, dass nicht nur die Themen von der medialen Öffentlichkeit vorgegeben werden, sondern wie lange, in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen sie diskutiert werden sollen.

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#aufstehen – aber wofür und wohin?

übernommen von Arbeit-Zukunft

Nun ist sie da, die lange angekündigte Bewegung #aufstehen, obwohl sie offiziell erst am 4. September starten soll. Mehrere Zehntausend sollen bereits erklärt haben, dass sie mitmachen. Das scheint ein toller Anfang für eine linke Bewegung zu sein, an der sich auch SPDler und Grüne beteiligen.

Sarah Wagenknecht umreißt die Ziele dieser Bewegung: Um eine andere Politik in Deutschland machen zu können, braucht es andere Mehrheiten. Um diese wieder zu erreichen, muss es eine linke Sammlungsbewegung geben, die den Mut hat, sich mit den mächtigen Akteuren anzulegen. Die Grundlage einer solchen Bewegung ist die klassisch sozialdemokratische Tradition dass sich Politik um die materiellen Lebensbedingungen kümmert und dafür Sorge trägt, dass sie für alle Menschen gut und die Chancen gleich verteilt sind…“

(Aus: Nordwest Zeitung, Gastbeitrag von Sarah Wagenknecht und Bernd Stegemann, https://www.nwzonline.de/meinung/berlin-nwz-gastbeitrag-von-sahra-wagenknecht-und-bernd-stegemann-aufstehen-fuer-ein-gerechtes-land_a_50,2,719263146.html)

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Dagmar Henn: Ein Akt der Feigheit

übernommen von Facebook
Den Sputnik Artikel auf den Dagmar verweist dokumentieren wir nachstehend.

Das Video mit der jungen Jezidin und der zugehörige Artikel von Sputnik sind unbedingt lesenswert.

Ein Detail sollte man noch besonders beachten: so, wie sie erzählt, muss der IS-Mann, dem sie in Deutschland wiederbegegnet ist, gut vernetzt sein. Anders hätte er kaum die Information besitzen können, wo sie wohnte.

Dieser Punkt sollte Aufmerksamkeit erregen. Weil das bedeutet, es geht hier nicht um einzelne Individuen, sondern tatsächlich um organisierte Gruppen.

Und was hat das Ganze mit Feigheit zu tun?

Nun, die findet sich im Umgang der deutschen Linken mit der Asylfrage. Denn es ist nur ein Punkt, das Recht auf Asyl für politisch Verfolgte zu verteidigen (was nichts mit einem Recht auf Einwanderung für Alle zu tun hat). Es ist ein anderer Punkt, nicht länger die Auseinandersetzung darum zu führen, wer ein Recht auf Asyl haben sollte.

Denn schon in der bundesrepublikanischen Geschichte früherer Jahrzehnte war klar – Asyl erhielten durch die Regierung vor allem flüchtende Faschisten; Asyl für verfolgte Linke (beispielsweise für Francogegner oder Anhänger Allendes) musste erkämpft werden. Diese Auseinandersetzung erforderte immer, auch die Verbrechen, die die jeweilige Bundesregierung an anderen Völkern begangen hat, klar zu benennen.

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Kommentar zur Sammlungsbewegung “Aufstehen” von Wagenknecht und co

Wir veröffentlichen hier mit freundlicher Genehmigung einen Kommentar eines uns befreundeten Genossen und Sympathisanten (Nico Jühe) zur neuen linken Sammlungsbewegung “Aufstehen” von Sahra Wagenknecht und co. Dieser Kommentar soll zur Diskussion anregen:

Liebe Freunde,

da nun die erste Welle der Begeisterung über die neue „Sammlungsbewegung ,aufstehen´“ vorüber ist, möchte ich meine Position dazu darlegen.

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Himmlers Erben – Polizeistaat Bayern

Das Vorbild

April 1933, München hat einen neuen Polizeichef: Heinrich Himmler. Er löste aus der allgemeinen Polizei eine eigenständige politische Polizei heraus. Bereits am 11. April 1933 bekam Preußen nach der Machtübernahme einen neuen Innenminister: Hermann Göring. Dieser gründete nur zwei Wochen später die Geheime Staatspolizei – Gestapo. Zunächst oblag die Leitung der politischen Polizei noch den Ländern, doch dies änderte sich, als Göring die Zuständigkeit der preußischen politischen Polizei an Himmler übertrug. 1936 wurde die Zentralisierung der Polizei abgeschlossen, als Himmler zum Oberhaupt der Deutschen Polizei ernannt wurde. Aufgabe dieser Polizei war die Bekämpfung politischer Gegner des Faschismus, wodurch sie geheimdienstliche Aufgaben wahrnahm. Ihr wichtigstes Mittel war die so genannte Schutzhaft. Die Schutzhaft gab es bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, allerdings wurde sie nur für eine kurzfristige Verwahrung, vergleichbar mit unserer heutigen Untersuchungshaft, angewandt. Nach dem Reichstagsbrand vom 28. Februar 1933 wurde jedoch die Reichstagsbrandverordnung verabschiedet. Nun wurden sowohl die richterliche Überprüfung als auch die Befristung für die Schutzhaft aufgehoben. Die Gestapo wurde damit zu einem wichtigen Terrorinstrument in Deutschland und später auch in den besetzten Gebieten.

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STREIK! WAS SONST?!

übernommen von einem Flyer von Arbeit-Zukunft

Gegen die massiven Angriffe auf unser Streikrecht! Jetzt erst recht:
STREIK! WAS SONST?!

Die ersten 24-Stunden-Streiks laufen! Wir begrüßen das und sind voll solidarisch! Schon an den Warnstreiks nahmen hunderttausende Metallerinnen und Metaller teil! Wir begrüßen diese Kampfstimmung! Der Kapitalistenverband Gesamtmetall aber greift jetzt massiv unser Streikrecht an! Sie nutzen den lächerlichen Vorwand, Lohnausgleich für eine auf 28 Stunden verkürzte Arbeitszeit dürfe es nicht geben, weil er nicht nur ungerecht sei, sondern sogar illegal! Denn zwei

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Zum Tag der Trauer

übernommen von Dagmar Henns Blog “Das kalte Herz”

„Daß ein solcher Staat notwendig nicht einer ist sondern zwei; den einen bilden die Armen, den andern die Reichen, welche beide immer jedoch sich gegenseitig auflauernd zusammenwohnen.“
Platon, Der Staat

Heute werden wieder an vielen Orten Jubelfeiern inszeniert und hehre Reden zum Nationalfeiertag geschwungen. Aber es ist kein Feiertag, es ist ein Tag der Trauer.

Die Geschichte eines jeden Landes ist in Wirklichkeit die Geschichte zweier Länder, zwei Geschichten, und die Siege in der einen sind die Niederlagen in der anderen. Am dritten Oktober jeden Jahres feiert die andere Seite ihren Sieg. Meine betrauert ihre Niederlage und deren Opfer.

Ich trauere um die Menschen, im östlichen wie im westlichen Teil dieses Landes, die nach dem Ende der DDR und der Sowjetunion die Hoffnung verloren haben.

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Party? – Ohne mich!

Der Freitag-Artikel “Das Ende der Party” (in 31/2017; https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/das-ende-der-party) veranlasste Dagmar Henn zu nachfolgendem Kommentar:

Ich bin es leid, immer wieder in ein großes völkisches Gesamtpaket gesteckt zu werden.
Wie hier:
“Viele Menschen in Afrika wollen aber nicht länger dabei zusehen, wie wir im Norden auf ihre Kosten Partys schmeißen. Viele wollen ihre qua Geburt ererbte Zweitklassigkeit nicht länger akzeptieren. Sie wollen mitfeiern.”
Toll. Ich feiere aber nicht. Ich gehöre zu jenen unteren 60% der Bevölkerung, die kein Vermögen besitzen, zu den Alleinerziehenden, die arm sind. Diese Party mag stattfinden, aber sie tut es ohne mich.
Und ohne all die anderen Niedriglöhner, Armutsrentner, Wohnungslosen….
Die alle miteinander gezielt verarmt worden sind, um die Exportwalze der deutschen Industrie und die daraus folgenden Gewinne zu ermöglichen.
Party?
Der ganze Text versucht, bei allen ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Wir alle leben auf Kosten Afrikas? Ich kaufe Klamotten bei Primark, weil ich mir keine anderen leisten kann. Ich hätte nichts dagegen, mir anständige Kleidung zu kaufen, die von anständig bezahlten Menschen genäht wurde.
Das ist die gleiche Soße, die uns auch in Bezug auf die deutsche Vergangenheit vorgesetzt wird. Wir alle sind schuldig? Kein Unterschied zwischen den Krupps und den Krauses?
Wer auch immer mir mit “wir alle müssen” kommt, dem möchte ich seine Sprüche mit Anlauf in den Rachen zurückstoßen.
Es gibt kein “wir alle”.
Es gibt die da oben. Und dann gibt es die unten. Und wer immer unten ist, ob hier oder in Afrika, zahlt die Rechnung für die oben.
Die, die “mitfeiern” wollen haben genauso wie die, die dafür so viel Verständnis aufbringen, noch nicht begriffen, wo ihr Feind sitzt.
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